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Humor und Musik - Ein Schülerprojekt mit Erwin Stache

Unser „Konzert für Neugierige“ am 31. März 2012 war ein ganz besonderer Abend, denn nicht nur die Musiker unseres Orchesters, sondern auch zahlreiche Kinder fieberten der Uraufführung eines einmaligen Musikprojektes entgegen. Der bekannte Klangkünstler und Komponist Erwin Stache, der unter anderem 2011 von der Beethovenstiftung in Bonn zum Stadtklangkünstler berufen wurde, gestaltete mit acht- bis zehnjährigen Kindern der Freien Grundschule „Clara Schumann“ ein Klangprojekt zum Thema „Humor“. Dabei ging er unter anderem folgenden Fragen nach:

Kann Musik lustig sein? Wann wird „lustig“ zu „albern“? Hat Humor überhaupt etwas mit „lustig“ zu tun? Wie erzählt man einen guten Witz, damit man auch lachen kann? Warum lachen wir überhaupt? Ist es vielleicht das plötzlich Unerwartete, was unsere Gedankengänge vom Weg abbringt, so dass wir von der nun neuen Richtung so überrascht sind, dass wir lachen müssen?
Wie bringe ich den Humor auf die Bühne? Wie bringe ich das Publikum zum Lachen, ohne alberne Grimassen, dumme Sprüche oder schlechte Witze machen zu müssen, wie es leider in vielen Comedy- Shows heute praktiziert wird.

Humor wollten wir in ungewohnten Situationen und Klängen aufspüren. Ein gutes Mittel dafür war die Verfremdung alltäglicher uns bekannter Gegenstände. Wenn dies in einem musikalischen Kontext geschieht und perfekt vorgetragen wird, ist der Zuschauer nicht selten überrascht davon. Das anfängliche Lachen über die außergewöhnliche Situation geht über in ein Staunen. So kamen verschiedene von Erwin Stache gebaute mechanische und elektronische Instrumente zum Einsatz. Ein Objekt reagierte auf Berührungen und wenn sich zwei Leute an Nase, Armen und Ohren anfassten, gabe es verschiedene elektronische Töne von sich. Das ist erst mal zum Lachen. Wenn diese Aktion aber musikalisch und kompositorisch gesetzt wird, das Zwicken ins Ohr zum Beispiel auch Melodien hervorbringt, dann ist man überrascht und fasziniert angesichts dieser ungewöhnlichen Art der Klangerzeugung.

Einige der Instrumente und Objekte waren: Abgestimmte Sperrholzplatten, Tischtennisbälle, Abflussreiniger, elektronische Metronome, präparierte Alarmgeber, fahrende Objekte, Scherengitter und vieles mehr.
Wir versuchten in den Proben, eine Bühnenpräsenz zu entwickeln, die es uns erlaubte, sehr humorvolle, innovative und überraschende Sachen zu kreieren. Die Kinder beschäftigten sich dementsprechend auch mit ihrer Ausstrahlung und ihrer Haltung auf der Bühne. Aufgrund der speziellen Art der Verwendung von Alltagsgegenständen und der neuen ungewohnten Instrumente gesellte sich neben der rein musikalischen auch eine theatralische Ebene. Das Ganze glich einer Inszenierung. Dass der Umgang mit diesen etwas absonderlich anmutenden Instrumenten und Ideen neben viel Spaß auch Ausdauer und Übung erforderte, sollte nicht abschrecken, denn Humor ist bekanntlich auch eine sehr ernsthafte Angelegenheit. Wenn der Witzeerzähler selbst schon lacht, dann lacht man nur über ihn, nicht aber über seinen Witz.

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Am 9. und 10. Dezember finden die nächsten Konzerte in der Taborkirche Leipzig statt. Auf dem Programm steht Bachs Weihnachtsoratorium. Weitere Infos, auch zu unserer Konzerttournee im Dezember mit der Sopranistin Dorothee Mields, finden Sie in der Rubrik "Konzerte".