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Lebendige Musikvermittlung auf höchstem Niveau

Konzert für zehn kleine Pianisten und Orchester von André Haidu

Aus der Forschung wissen wir, dass nichts so nachhaltig das Lernen ermöglicht wie eigene praktische Erfahrungen. Das trifft natürlich auch auf das musikalische Lernen und die Vermittlung von Musik an die junge Generation zu. Daher kommt der Nachhaltigkeit der musikpädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen besondere Bedeutung zu. Wir unterscheiden uns damit deutlich von den zahlreichen punktuellen Angeboten, die im Rahmen von Schulkonzerten oder kurzfristigen Schulprojekten geleistet werden können. Unser Ansatz ist es, langfristige und intensive Berührungspunkte mit Musik zu erschaffen, den  eigenen Erfahrungsraum  der Kinder und Jugendlichen zu erweitern und  neue Kompetenzen aufzubauen, die weit über das Musikalische hinaus gehen können.  Unser Partner für dieses Projekt ist die Musik- und Kunstschule „Clara Schumann“, die mit uns gemeinsam die musikpädagogische Konzeption der Konzertreihe entwickelt und ausgestaltet.

 

Der israelische Komponist André Haidu komponierte das Stück für zehn kleine Pianisten und Orchester mit dem Anliegen, es „normal begabten“ Kindern zu ermöglich, mit Ihren Fähigkeiten die Gelegenheit zu haben, mit einem Profiorchester auf höchstem Niveau zu musizieren. Diese Idee ist einzigartig, denn sonst ist die große Konzertbühne nur Wunderkindern vorbehalten. Das Stück  ermöglicht den Kindern bereits in der Vorbereitung neue Musik mit einer altersgemäßen Phantasie und Klangwelt zu verbinden, die neue Assoziationen erwecken kann.

 

Über viele Wochen hinweg erarbeiten die zehn jungen Klavierspieler der Musik- und Kunstschule „Clara Schumann“  im Alter von 8-16 Jahren jeweils einen Satz des Konzerts. Im letzten Satz musizieren die Kinder gemeinsam. Zunächst mit Orchesterklavier von Ihren Lehrern begleitet, beginnen die Kinder, die Partitur zu studieren und den Orchesterpart kennen zu lernen. Vorbereitend kommen die Orchestermusiker zu den Proben, um die Kinder kennen zu lernen und auf die gemeinsame Probenphase vorzubereiten.

 

Darüber hinaus stehen wir in Kontakt zum Komponisten, der uns Fragen zur Interpretation per Mail beantworten kann. Zwei Vorbereitungskonzerte, ein Besuch des Mendelssohn-Saals des Gewandhauses und ein Meisterkurs runden die Vorbereitungsphase ab. Im 1. Vorbereitungskonzert spielen die Kinder begleitet mit Orchesterklavier in dem ihnen vertrauten Schumann-Saal am 17. Dezember 2010. Zum Konzert wird Wolfgang Zill anwesend sein, Pianist und Klaviermethodikdozent an der Musikhochschule in Hannover. Zill studierte vor einigen Jahren mit seiner Kinderklavierklasse ebenfalls Haidus Komposition ein und Haidu übernahm die Endprobenphase. Er ist somit mit dem Stück und den Intensionen des Komponisten sowie der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sehr vertraut. (Das Stück konnte damals nicht mit einem Profiorchester, sondern nur mit einem Jugendorchester aufgeführt werden, was eigentlich nicht den Vorstellungen des Kompositen entsprach. Denn gerade durch die Arbeit mit Musikern auf höchstem Niveau versprach sich Haidu die entscheidenden Impulse für die Kinder und die Qualität der Aufführung.)

 

Am 18.12. wird Wolfgang Zill  einen ganztägigen Kurs für die jungen Musiker geben, bei dem auch der Konzertmeister und der Solocellist anwesend sein werden. Hier erhalten die Schüler neue musikalische Impulse und können vertieft gemeinsam proben. Sie lernen, alle gemeinsam Verantwortung für dieses Projekt zu übernehmen und trotz unterschiedlicher Alters- und Niveaustufen voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen.  Die Musiker können einzelnen Orchesterstimmen vorspielen, der Konzertmeister und Dirigent Gunnar Harms unterstützt die Schüler, nach dem Schlag des Dirigenten spielen zu lernen.

 

Im Januar werden wir gemeinsam vorbereitend den Konzertort besuchen, die Bühnenaufstellung proben und uns mit der Situation vor Ort vertraut machen. Neben der guten spielerischen Vorbereitung ist dieser Besuch enorm wichtig, damit sich die Kinder mental auf die Konzertsituation vorbereiten können.

 

Am 17. Januar folgt das 2. Vorbereitungskonzert in der Pianofabrik Blüthner. Dort haben sie die Möglichkeit, auf einem großen Konzertflügel zu spielen (ebenfalls begleitet mit Orchesterklavier), die Einflüsse des Meisterkurses in die Interpretation einfließen zu lassen und Bühnensicherheit zu erlangen.

 

In der letzten Projektphase lernen die Kinder den Dirigenten und das Orchester kennen, musikalische Feinheiten werden besprochen und die Proben können beginnen. Am 29.1.2010 ist es dann so weit, 10 kleine Pianisten haben das erste Mal in ihrem Leben die Gelegenheit, vor und mit einem Profiorchester, dem Mendelssohn Kammerorchester Leipzig, zu spielen. Abgerundet wird die Aufführung durch eine Moderation von Peter Korfmacher.  Am Anschluss an das Konzert haben die Kinder die Gelegenheit, im Foyer beim Empfang mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. Unseres Wissens ist dies in Deutschland die 1. Aufführung des Stückes mit professionellem  Orchester. Eine Woche nach der Aufführung treffen wir uns zu einer gemeinsamen Auswertung des Projekts.

 

In dieser Arbeit verbinden wir verschiedene Ziele miteinander:

· Kennenlernen und Auseinandersetzen mit klassischer Zeitgenössischer Musik auf altersadäquatem Niveau unter professionellen Bedingungen

· Gemeinsames Musizieren mit Kinder und Jugendlichen verschiedener Altersstufen

· Wahrnehmungsfähigkeit, Reaktionsvermögen, musikalische Ausdrucks- und Interpretationsfähigkeit und die Fähigkeit zum gemeinsamen Musizieren durch das Zusammenspiel mit professionellem Orchester fördern

· Verantwortungsgefühl entwickeln

· Soziale Fähigkeiten ausbauen

· Auftrittssicherheit und Bühnenpräsenz erlernen und ausbauen

· Lernen, wie ein professionelles Orchester Arbeit

· Partituren lesen und verstehen, wie ein Dirigent das Orchester anleitet

 

Das Projekt gibt den Kindern die Möglichkeit, miteinander und voneinander zu lernen, künstlerische Impulse von Profis aufzunehmen und umzusetzen, eine eigene Interpretationsvorstellung zu entwickeln und umzusetzen und ihre Leistung am Ende vor einem großen Publikum zu präsentieren. Es gibt den Mitwirkenden die Möglichkeit, über sich hinaus zu wachsen und der künstlerischen Ausdrucksfähigkeit von Kindern und Jugendlichen einen angemessenen Rahmen zu bieten, in dem sie nicht nur vor ihrer Familie, sondern im Rahmen einer außergewöhnlichen Konzertreihe auftreten dürfen.

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Am 9. und 10. Dezember finden die nächsten Konzerte in der Taborkirche Leipzig statt. Auf dem Programm steht Bachs Weihnachtsoratorium. Weitere Infos, auch zu unserer Konzerttournee im Dezember mit der Sopranistin Dorothee Mields, finden Sie in der Rubrik "Konzerte".