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Dramaturgin Ilka Seifert im Interview zu "Mendelssohn Tunes"

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Mendelssohn Kammerorchester zustande gekommen und wie haben Sie die Idee „Mendelssohn Tunes“ entwickelt?

Es ist bereits meine dritte Zusammenarbeit mit dem mko. Bisher waren es zwei Konzerte für Neugierige im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses. Das nächste Konzert findet für mich zum ersten Mal in der Schaubühne Lindenfels statt. Peter Bruns hatte den Konzertdesigner Folkert Uhde und mich angesprochen und auf Raviv Herbst aufmerksam gemacht. Der Pianist und Musikwissenschaftler hat in seiner Doktorarbeit sehr genau und detailliert herausgearbeitet, inwiefern sich Melodien und Themen in Felix Mendelssohns Kompositionen aus dessen, man könnte sagen: frühkindlicher Musikerfahrung herleiten lassen. Seine jüdische Großmutter, seine Großtante und sicher auch andere Familienmitglieder haben ihn sozusagen en passant mit den Melodien, den Tunes jüdischer, auch synagogaler Musik vertraut gemacht, die der musikalisch Früh- wie Hochbegabte dann mit der größten Selbstverständlichkeit mit seinem früh erworbenen Kompositionshandwerk weitergesponnen hat.?Peter Bruns’ Idee war es, diesen Ursprung von Mendelssohns Melodien lebendig und hörbar werden zu lassen, indem wir Kantorin Chasan Jalda Rebling, die eine echte Expertin für jüdische Musik ist, eingeladen haben, uns und dem Publikum die Wurzeln von Mendelssohns Musik quasi vorzusingen.

Wie hat sich die Architektur des Ballsaals in der Schaubühne Lindenfels mit in die Dramaturgie hineingewirkt?

Die Schaubühne Lindenfels ist ein wunderbarer Aufführungsrahmen. Der Saal klingt gut und seine Patina wirkt jeder steifen Konzertatmosphäre entgegen.?Wir benutzen ihn auch nicht in konventioneller Anordnung mit der strengen Trennung von Podium und Publikum. Wer will, kann die Musiker und Musikerinnen ganz nah und dadurch in großer Intensität erleben. Es wird eine Lichtregie geben, die die musikalischen Inseln im Raum betont und Chasan Jalda Rebling wird sich auch singend im Raum und inmitten des Publikums bewegen.

Wie hat die Zusammenarbeit mit der jüdischen Kantorin Chasan Jalda Rebling und dem mko funktioniert? Wie konnten Sie diese Attribute versinnbildlichen / in die Konzertinstallation integrieren?

Das war ein erfrischend einfacher und kreativer Prozess. Bei unserem ersten Treffen war Chasan Jalda Rebling erst mal erleichtert, dass es kein didaktisches musikwissenschaftliches Konzept ist, sondern dass sie alle sängerische Freiheit behält, musikalisch mit dem Raum, dem Orchester und dem Publikum zu interagieren. Die musikalischen Beispiele, die wir mitgebracht hatten, waren ihr viel vertrauter als uns. Sie hat alle unsere Vorschläge sofort aus ihrer Expertise heraus musikalisch weitergesponnen, einen Psalmentext und weitere Lieder vorgeschlagen. Eine sehr bereichernde Zusammenarbeit.

Was bedeutet Musik für Sie?

Da lasse ich einfach Nietzsche für mich sprechen: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“

Was bedeutet für Sie die Zusammenarbeit mit dem mko?

Ich schätze die Experimentierfreude und den Mut des mko, neue Konzertformate auszuprobieren und offen zu sein für ungewöhnliche Programme ... darüber hinaus sind es wunderbare Musiker und Musikerinnen, mit denen ich auch persönlich gerne zusammenarbeite.

Mendelssohns Klassik-Lounge und Konzerte für Neugierige 2017

22. September | Mendelssohn-Klassik-Lounge

Ort: Schaubühne Lindenfels

Beginn: 22 Uhr

Peter Bruns | Violoncello
Annegret Kuttner | Klavier
Mitglieder des Mendelssohn Kammerorchesters Leipzig
Peter Korfmacher
Wolfgang Krause Zwieback
Johannes Malfatti | DJ-Set

Karten: 15€ / 10€ erm. 
Tickets unter: www.schaubuehne.com
In Kooperation mit der Schaubühne Lindenfels und dem Bacharchiv Leipzig

 

23. September | Konzerte für Neugierige: Mendelssohn Tunes – Woher kommt die Musik?

Ort: Schaubühne Lindenfels

Beginn: 20 Uhr

Mendelssohn Kammerorchester Leipzig
Peter Bruns | Violoncello
Annegret Kuttner | Klavier
Chasan Jalda Rebling | jüdische Kantorin
Ilka Seifert | Dramaturgie

Karten: 20€ / 10€ erm.
5€ für Jugendliche bis 16 Jahre
Tickets unter: www.schaubuehne.com


Aus welcher inneren Quelle mag Felix Mendelssohn geschöpft haben? Dieser Frage stellt sich das Mendelssohn Kammerorchester unter der Leitung von Peter Bruns für sein neues Projekt „Mendelssohn Tunes“ zusammen mit der jüdischen Kantorin und Sängerin Chasan Jalda Rebling in der Schaubühne Lindenfels. Laut neuester Forschungsarbeit, stammten Mendelssohns frühkindliche musikalische Eindrücke wesentlich von seiner jüdisch-orthodoxen Großtante, der Cembalistin Sara Levy, und vor allem seiner Großmutter Bella Salomon. Die Melodieführung und Rhythmik der jüdisch-orientalischen Musik sind in fast allen Werken Felix Mendelssohns wiederzufinden – selbst in Stücken, in denen er seine religiöse Konversion zum Christentum darstellte bzw. bekräftigte. Aus diesen erstaunlichen Entdeckungen leitet sich die Idee zu einer ungewöhnlichen Konzertinstallation ab, die Musik jüdischer synagogaler Tradition mit Kompositionen Mendelssohns verbindet. Gemeinsam mit dem Künstlerischen Leiter des Orchesters Peter Bruns und der Dramaturgin Ilka Seifert entwickeln Chasan Jalda Rebling die Soundcollage, Dramaturgie, Setting und Lichtregie dieser Konzertinstallation unter Einbeziehung der Architektur des Aufführungsortes und im direkten Kontakt mit dem Publikum.
Ausschnitte des neuen „Konzerts für Neugierige“ (23.09. 20 Uhr)  sind in gelöster Atmosphäre bereits am Vorabend der Premiere in der Mendelssohn-Klassik-Lounge (22.09., 22 Uhr) zu erleben. 

Bilder ohne Worte

Unser neuer Videoclip - Das Mendelssohn Kammerorchester bei dem Konzert "Bilder ohne Worte". Dieses ist ein visuelles Konzertprojekt mit Pantomime, Film, Objekttheater und natürlich Musik.

Humor und Musik - Ein Schülerprojekt mit Erwin Stache

Unser „Konzert für Neugierige“ am 31. März 2012 war ein ganz besonderer Abend, denn nicht nur die Musiker unseres Orchesters, sondern auch zahlreiche Kinder fieberten der Uraufführung eines einmaligen Musikprojektes entgegen. Der bekannte Klangkünstler und Komponist Erwin Stache, der unter anderem 2011 von der Beethovenstiftung in Bonn zum Stadtklangkünstler berufen wurde, gestaltete mit acht- bis zehnjährigen Kindern der Freien Grundschule „Clara Schumann“ ein Klangprojekt zum Thema „Humor“. Dabei ging er unter anderem folgenden Fragen nach:

Kann Musik lustig sein? Wann wird „lustig“ zu „albern“? Hat Humor überhaupt etwas mit „lustig“ zu tun? Wie erzählt man einen guten Witz, damit man auch lachen kann? Warum lachen wir überhaupt? Ist es vielleicht das plötzlich Unerwartete, was unsere Gedankengänge vom Weg abbringt, so dass wir von der nun neuen Richtung so überrascht sind, dass wir lachen müssen? 
Wie bringe ich den Humor auf die Bühne? Wie bringe ich das Publikum zum Lachen, ohne alberne Grimassen, dumme Sprüche oder schlechte Witze machen zu müssen, wie es leider in vielen Comedy- Shows heute praktiziert wird.

Humor wollten wir in ungewohnten Situationen und Klängen aufspüren. Ein gutes Mittel dafür war die Verfremdung alltäglicher uns bekannter Gegenstände. Wenn dies in einem musikalischen Kontext geschieht und perfekt vorgetragen wird, ist der Zuschauer nicht selten überrascht davon. Das anfängliche Lachen über die außergewöhnliche Situation geht über in ein Staunen. So kamen verschiedene von Erwin Stache gebaute mechanische und elektronische Instrumente zum Einsatz. Ein Objekt reagierte auf Berührungen und wenn sich zwei Leute an Nase, Armen und Ohren anfassten, gabe es verschiedene elektronische Töne von sich. Das ist erst mal zum Lachen. Wenn diese Aktion aber musikalisch und kompositorisch gesetzt wird, das Zwicken ins Ohr zum Beispiel auch Melodien hervorbringt, dann ist man überrascht und fasziniert angesichts dieser ungewöhnlichen Art der Klangerzeugung.

Einige der Instrumente und Objekte waren: Abgestimmte Sperrholzplatten, Tischtennisbälle, Abflussreiniger, elektronische Metronome, präparierte Alarmgeber, fahrende Objekte, Scherengitter und vieles mehr.
Wir versuchten in den Proben, eine Bühnenpräsenz zu entwickeln, die es uns erlaubte, sehr humorvolle, innovative und überraschende Sachen zu kreieren. Die Kinder beschäftigten sich dementsprechend auch mit ihrer Ausstrahlung und ihrer Haltung auf der Bühne. Aufgrund der speziellen Art der Verwendung von Alltagsgegenständen und der neuen ungewohnten Instrumente gesellte sich neben der rein musikalischen auch eine theatralische Ebene. Das Ganze glich einer Inszenierung. Dass der Umgang mit diesen etwas absonderlich anmutenden Instrumenten und Ideen neben viel Spaß auch Ausdauer und Übung erforderte, sollte nicht abschrecken, denn Humor ist bekanntlich auch eine sehr ernsthafte Angelegenheit. Wenn der Witzeerzähler selbst schon lacht, dann lacht man nur über ihn, nicht aber über seinen Witz.

Konzerte mit Kind und Kegel

Das Mendelssohn Kammerorchester Leipzig setzt sein Angebot speziell für Familien und Alleinerziehende auch in der neuen Saison fort. Wir bieten wieder zusammen mit der Musik- und Kunstschule "Clara Schumann" eine musikalische Kinderbetreuung für Kinder ab 4 Jahre an.  Dabei richtet sich das Ensemble speziell an Familien und Alleinerziehende mit Kleinkindern, die aufgrund des Alters ihrer Kinder oder der fehlenden Möglichkeit einer kurzfristigen Betreuung nicht in der Lage sind, sich Zeit für ein klassisches Konzert zu nehmen.

Betreut werden die Kinder von einem erfahrenen Pädagogen der Musik- und Kunstschule „Clara Schumann“. Zu den Themenfeldern, mit denen sich die Kinder während des Konzertes kreativ auseinandersetzen gehören z.B.:

  • Musikalische Spiele
  • Musikalische Improvisation im Bereich der elementaren Musikpädagogik
  • Geschichten erfinden und nachspielen
  • Instrumente nachbauen
  • Bilder zu den Kompositionen des jeweiligen Konzertes malen

Eine Betreuung während des gesamten Konzertes ist genauso möglich wie erst mit Beginn des zweiten Teils des Konzertes, so dass die Kinder die Möglichkeit haben, sich den ersten Teil des Programms mit anzuhören. Alle Kinder die Konzert besuchen möchten, Jugendliche und Studenten erhalten Einlass für nur 5 €.

Für das reine Betreuungsangebot entstehen keine weiteren Kosten. Das Mendelssohn Kammerorchester Leipzig bedankt sich ganz herzlich bei der Musik- und Kunstschule „Clara Schumann“, die den Pädagogen finanziert.

Interessenten wenden sich bitte im Vorfeld unter nowak@mko-leipzig.de oder 0341.3304695 an den organisatorischen Leiter des Mendelssohn Kammerorchesters Leipzig Gregor Nowak, damit das Ensemble einen Überblick über die Nachfrage des Angebotes erhält und die Betreuung gewährleisten kann.

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Ab dem 14. Dezember sind wir mit der Sopranistin Dorothee Mields und dem Trompeter Reinhold Friedrich unterwegs. Weitere Infos zur anstehenden Konzerttournee finden Sie in der Rubrik "Konzerte".